Finanzcheck Bundesliga 2024/25, Teil 1: Gewinn, Erlöse und Personalkosten der 18 Clubs
Wer Fußball nur nach der Tabelle beurteilt, sieht die halbe Realität. Die andere Hälfte steckt in den Jahresabschlüssen. Dort steht, wer auf solidem Fundament baut und wer gerade dabei ist, auf Pump Erfolg zu kaufen. Beides gibt es in der Bundesliga, nebeneinander und manchmal beim gleichen Verein in verschiedenen Saisons.
Diese Analyse durchleuchtet alle 18 Bundesligisten der Saison 2024/25 anhand der wichtigsten Kennzahlen. Und weil ein einzelnes Jahr wenig über die Richtung verrät, schauen wir uns bei jeder Kennzahl auch an, was sich gegenüber der Vorsaison verändert hat: Wer hat aufgeholt, wer hat Boden verloren, und wo hat sich eine Bilanz so verschoben, dass die nackte Zahl in die Irre führt? Weil das eine Menge Stoff ist, haben wir den Finanzcheck in zwei Teile geteilt. Dieser erste Teil schaut auf Gewinn, Erlöse und Personalkosten. Teil 2 folgt mit EBITDA und EBIT, Eigenkapital, Verschuldung und der Frage, was ein Punkt kostet. Wer die Grundlagen zu Bundesliga-Bilanzen noch nicht kennt, findet sie in Bilanzierung im Profifußball und Finanzsteuerung im Profifußball.
Die kurze Antwort vorweg: Die Bundesliga hat in Summe so viel verdient wie nie in unserer Datenbank. Und dieser Rekord ist fast vollständig das Werk eines einzigen Clubs.
Dabei sind die 18 Clubs, die 2024/25 in der Bundesliga gespielt haben, also inklusive der Aufsteiger FC St. Pauli und Holstein Kiel. Für den Vorjahresvergleich ziehen wir bei den beiden die Zahlen aus ihrer Zweitligasaison heran.
Ein kleiner Disclaimer vorab bzgl. der Nummerierung der Saisons. Die DFL verfolgt eine, sagen wir mal, interessante Nummerierungslogik für die Jahresabschlüsse: Sie benennt die veröffentlichten Zahlen mit dem Saisonstempel der Folgesaison. Die Zahlen zum 30.06.2025, also zur abgelaufenen Saison 24/25, laufen bei der DFL unter 25/26. Wir nummerieren nach der Saison, in der das Geld tatsächlich verdient wurde.
Dazu kommen unterschiedliche Stichtage. Die meisten Clubs bilanzieren analog zur Saison zum 30.06. Bayer Leverkusen, der VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach bilanzieren hingegen zum 31.12. Ihr Abschluss „2024/25“ ist bei uns das Kalenderjahr 2025, also die Rückrunde 24/25, die Hinrunde der Folgesaison und der Transfersommer dazwischen. Einen Tod muss man bekanntlich immer sterben, und bei Leverkusen wird das gleich noch sehr wichtig.
Und zwei Sonderfälle: Der 1.FC Heidenheim hat seinen Stichtag vom 31.12. auf den 30.06. umgestellt. Der Abschluss zum 30.06.2025 ist deshalb ein verkürztes Geschäftsjahr (Rumpfgeschäftsjahr) über nur sechs Monate. Die Bilanzwerte sind in Ordnung, aber Rohergebnis, Personalaufwand und Ergebnis decken nur ein halbes Jahr ab. In den Vorjahresvergleichen lassen wir Heidenheim deshalb draußen. Beim VfL Bochum stammt die Vorsaison aus dem Konzernabschluss, 2024/25 aus dem Einzelabschluss. Die Richtung der Veränderung ist aussagekräftig, die exakte Höhe mit Vorsicht zu genießen.
Der 130-Millionen-Effekt: Wie ein Club die ganze Liga schönrechnet
Addiert man die Ergebnisse nach Steuern aller 18 Clubs, steigt der Gewinn der Liga von rd. 119 Mio. € auf 184 Mio. €. Das klingt nach einem Rekordjahr, und es ist auch eins. Nur stammt der Zuwachs nicht aus der Breite, sondern aus einer einzigen Zeile.
Ergebnis nach Steuern: Wer hat zugelegt?
Veränderung des Ergebnisses nach Steuern in Euro. Veränderung → .
Bayer 04 Leverkusen weist einen Jahresüberschuss von 133 Mio. € aus, nach 3 Mio. € im Vorjahr. Das ist mit weitem Abstand das höchste Einzelergebnis in unserer Datenbank. Auf Platz zwei steht 1899 Hoffenheim mit 58 Mio. €, und das war 2019/20. Der Grund ist kein Geheimnis: Leverkusens Abschluss umfasst das Kalenderjahr 2025 und damit den Sommer, in dem Florian Wirtz und Jeremie Frimpong verkauft wurden.
Rechnet man Leverkusen heraus, dreht sich das Bild komplett. Der Gewinn der übrigen 17 Clubs mehr als halbiert sich von rd. 116 Mio. € auf 51 Mio. €. Zwar schreiben mit zwölf Clubs einer mehr schwarze Zahlen als im Vorjahr. Aber die großen Gewinne der Vorsaison sind weg: Borussia Dortmund fällt von 38 auf 8 Mio. €, der SC Freiburg von 41 auf 12 Mio. €, Eintracht Frankfurt dreht von +28 auf −8 Mio. €. Den größten Sprung nach oben macht der FC Augsburg, von −8 auf +18 Mio. €, ebenfalls transfergetrieben, nur aus einer viel kleineren Ausgangslage. Die operative Substanz der Liga ist also nicht gewachsen, sie ist geschrumpft. Ein einzelner Transfersommer überdeckt das.
Das ist die wichtigste Lektion dieser Auswertung, und sie gilt für jede Liga-Kennzahl in diesem Artikel: Summen werden im Fußball fast immer von wenigen Ausreißern getrieben. Wer die Gesundheit einer Liga messen will, muss auf die Verteilung schauen, nicht auf die Summe.
Leverkusens Paradox: Rekordgewinn, schwächere Bilanz
Noch interessanter als der Gewinn ist, was er in der Bilanz nicht bewirkt hat. Trotz 133 Mio. € Jahresüberschuss bleibt Leverkusens Eigenkapital exakt bei 200,5 Mio. €, so wie in jedem Jahr unserer Datenreihe. Der Grund ist der Gewinnabführungsvertrag mit der Bayer AG: Das Ergebnis wandert an die Muttergesellschaft, statt sich als Rücklage im Club anzusammeln.
Gleichzeitig hat sich die Bilanzsumme von 362 auf 633 Mio. € fast verdoppelt. Das Anlagevermögen, im Profifußball vor allem aktivierte Spielerwerte, steigt um 140 Mio. €. Die Verbindlichkeiten verdreifachen sich von 119 auf 362 Mio. €. Aufschlüsseln lässt sich das mit den DFL-Zahlen nicht. Naheliegend ist eine Mischung aus dem Gewinn selbst, der bis zur Überweisung an Bayer als Verbindlichkeit in der Bilanz steht, und offenen Ablösen für die neuen Spieler.
Das Ergebnis ist ein Verein, der im selben Jahr den höchsten Gewinn unserer Datenbank meldet und dessen Eigenkapitalquote von 55 auf 32 % fällt. Der Verschuldungsgrad steigt von 0,8 auf 2,2. Beide Sätze stimmen gleichzeitig. Genau deshalb ist eine Gewinnzahl ohne Blick auf die Bilanzstruktur wenig wert.
Rohergebnis: 920 Millionen auf der einen Seite, 66 Millionen auf der anderen
Die vermutlich bekannteste Basiskennzahl sind die Erlöse. Bei uns aus Vergleichsgründen das Rohergebnis. Kein Chart in diesem Finanzcheck illustriert die Spreizung der Liga besser als der erste. FC Bayern München steigert sich auf 920 Mio. € Rohergebnis. Holstein Kiel kommt als Aufsteiger auf 66 Mio. €. Das ist gerade einmal ein Vierzehntel.
Rohergebnis der Bundesliga-Clubs
Eine Besonderheit bei Heidenheims 40 Mio. € . Das ist kein Einbruch, sondern ein das erwähnte verkürze Geschäftsjahr.
In Summe wächst das Rohergebnis der 18 Clubs um knapp 7 % auf 4,8 Mrd. €. Die Top 4 (Bayern, Leverkusen, Dortmund, Leipzig) erwirtschaften mit 2,5 Mrd. € weiterhin mehr als die anderen 14 Clubs zusammen. Spannender ist, wer sich bewegt hat:
Rohergebnis: Wer ist gewachsen?
Veränderung des Rohergebnisses in Prozent. Veränderung → .
Oben stehen zwei Gruppen. Die eine sind die Aufsteiger: Kiel wächst um 88 %, St. Pauli um 31 %. Das ist maßgeblich der Sprung ins Bundesliga-Fernsehgeld. Die andere Gruppe sind die Verkäufer. Leverkusen legt 46 % zu, Augsburg 36 %, Stuttgart 31 %. Auch der Stuttgarter Abschluss umfasst das Kalenderjahr 2025, mit Pokalsieg und Transfersommer.
Unten steht ein Club, der im Vorjahr noch als Musterschüler galt: Freiburg verliert 20 %, Dortmund 6 %. Aber zunächst RB Leipzig verdient eine Anmerkung. Das Rohergebnis bleibt mit 458 Mio. € fast gleich, obwohl die Transfererlöse von 193 auf 74 Mio. € fallen. Der Rest der Erlöse hat die Lücke gefüllt. Vergleichbar mit dem Rest der Liga sind die Zahlen trotzdem nur bedingt: Red Bull finanziert global Infrastruktur, Scouting-Netzwerke und Spielerentwicklung, die nicht vollständig in Leipzigs Abschluss erscheinen. Was als Erlös ausgewiesen wird, ist nur ein Teil des tatsächlichen wirtschaftlichen Ökosystems dahinter.
Europas Geld ist geliehenes Geld
Freiburg war 2023/24 das Vorbild schlechthin. 2024/25 ist Freiburg das Lehrstück dafür, wie stark eine Saison ohne Europapokal eine Bilanz verändert.
2023/24 spielte Freiburg Europa League, 2024/25 nicht. Das Rohergebnis fällt von 195 auf 156 Mio. €. Der Personalaufwand steigt trotzdem um 10 % auf 83 Mio. €. Kader und Verträge richten sich eben nicht nach der Tabelle vom Vorjahr. Der Gewinn von 12 Mio. € ist für Freiburg immer noch gesund. Aber die 41 Mio. € der Vorsaison waren kein neues Normalniveau, sondern ein Ausreißer.
Bei Dortmund ist die Geschichte eine andere, als man zunächst denkt. Nach dem Champions-League-Finale 2024 würde man einen Einbruch bei den Europapokal-Einnahmen erwarten. Tatsächlich steigen die Erlöse aus medialer Verwertung von 206 auf 227 Mio. €, das neue Champions-League-Format zahlt mehr. Was fehlt, sind Transfererlöse: 71 statt 130 Mio. €. Das allein erklärt den Rückgang beim Rohergebnis und beim Gewinn.
Frankfurt hält das Rohergebnis mit 376 Mio. € stabil, obwohl die Transfererlöse trotz des Wintertransfers von Omar Marmoush von 143 auf 119 Mio. € fallen. Das Problem liegt auf der Kostenseite: Der Personalaufwand steigt um 36 Mio. €, ein Viertel mehr als im Vorjahr.
Wir können daraus eine gemeinsame These ableiten: Europäische Einnahmen und Transfererlöse sind die volatilsten Posten im deutschen Profifußball. Sie kommen in Wellen. Wer seine Kostenstruktur an einer guten Welle ausrichtet, hat im Jahr danach ein Problem. Drei der vier ergebnisstärksten Clubs der Vorsaison stehen genau deshalb 2024/25 deutlich schlechter da.
Personalquote: Die Musterschüler kehren zur Mitte zurück
Eine feste Obergrenze gibt es für die Personalquote nicht. Entscheidend ist die Frage, wie viel Puffer ein Verein hat, wenn die Einnahmen mal einbrechen, und wie schnell sich dieser Puffer verändert.
Personalaufwandsquote: Wer wirtschaftet effizient?
Personalaufwand in Prozent des Rohergebnisses.
Am unteren Ende steht Leverkusen mit 37 %. Das ist allerdings eher Rechenkunst als Sparsamkeit: Die Transfererlöse blähen das Rohergebnis auf, der Personalaufwand steigt trotzdem um 16 Mio. €. Dahinter folgen Kiel (42 %) und Union Berlin (43 %). Am oberen Ende liegen Hoffenheim (56 %), Werder Bremen (55 %) und Gladbach (54 %).
Personalquote: Wer ist schlanker geworden?
Veränderung der Personalaufwandsquote in Prozentpunkten. Grün heißt: Anteil gesunken. Veränderung → .
Der vielleicht überraschendste Befund betrifft die beiden Clubs mit den niedrigsten Personalquoten der Vorsaison: Frankfurt (37 %) und Freiburg (39 %). Beide galten als Aushängeschild für die These, dass man mit konsequenter Spielerentwicklung dauerhaft schlank wirtschaften kann. Ein Jahr später springt Freiburg um fast 15 Prozentpunkte auf 53 %, Frankfurt um knapp 10 auf 47 %. Das ist natürlich noch keine Krise, denn beide liegen im Ligamittel. Aber es ist auch eine Mahnung gegen vorschnelle Heldengeschichten: Eine einzelne Topsaison macht noch kein Geschäftsmodell.
Auf der anderen Seite stehen Kiel (−18 Prozentpunkte), Augsburg (−15) und Bochum (−13). Bei allen dreien ist das Rohergebnis deutlich schneller gewachsen als die Gehälter.
Ein Detail, das in der Summe noch untergeht: Ohne Leverkusen (und ohne Heidenheims verkürztes Geschäftsjahr) wächst der Personalaufwand der Liga um knapp 6 %, das Rohergebnis nur um gut 4 %. Der Median der Personalquote bleibt zwar praktisch gleich bei 49 %. Aber die Gehälter in der Breite der Liga laufen den Erlösen davon, nicht umgekehrt. Das allein ist in einem Jahr natürlich kein Drama. Über mehrere Jahre hingegen sieht die Welt schon anders aus.
Kaderkosten: Die zweite Personalquote
Die Personalquote hat einen blinden Fleck, und der ergibt sich direkt aus der Bilanzierung von Spielerrechten. Ein Spieler kostet den Club zweimal: nämlich einmal über sein Gehalt im Personalaufwand, und einmal über die Ablöse, die als Spielerwert aktiviert und über die Vertragslaufzeit abgeschrieben wird. Wer seinen Kader kauft, hat also niedrigere Personalquoten, als er eigentlich „verdient“. Wer ihn selbst ausbildet oder ablösefrei holt, zahlt fast nur Gehalt.
Rechnet man deshalb Personalaufwand und Abschreibungen zusammen und setzt sie ins Verhältnis zum Rohergebnis, verschiebt sich das Bild deutlich:
Genau diese Rechnung macht übrigens auch die UEFA. Ihre Kaderkostenregel begrenzt Gehälter von Spielern und Trainern, Abschreibungen auf Ablösen und Beraterhonorare auf einen Anteil von Umsatz plus Transferergebnis: 80 % in der Saison 2024/25, ab 2025/26 dauerhaft 70 %. Die Regel gilt nur für Clubs im Europapokal, und unsere Quote enthält alle Mitarbeiter und sämtliche Abschreibungen, ist also nur grob vergleichbar. Trotzdem lägen Hoffenheim, Wolfsburg, Leipzig und Gladbach nach unserer Rechnung über der künftigen 70-%-Marke.
Leipzig ist das Paradebeispiel. Mit 45 % Personalquote gehört Leipzig zu den schlanksten Clubs der Liga. Nimmt man die Abschreibungen von 119 Mio. € dazu, landet Leipzig mit 71 % auf Platz drei der teuersten Kader. Ähnlich Union: Die Personalquote sinkt, die Kaderkostenquote steigt um 5 Punkte, weil sich die Abschreibungen fast verdoppeln. Hoffenheim bindet über 80 % des Rohergebnisses allein im Kader, da bleibt für alles andere schlicht nichts übrig.
Am anderen Ende stehen St. Pauli, Bochum und Kiel. Wenig Ablösen, wenig Abschreibungen, und damit fast deckungsgleiche Personal- und Kaderkostenquoten. Das ist aber auch kein Zufall, sondern das typische Profil von Clubs, die sich teure Transfers schlicht nicht leisten können oder wollen. Wie teuer die Transferpolitik der Liga insgesamt geworden ist, zeigt Teil 2.
Zwischenfazit
Drei Dinge nehmen wir aus dem ersten Teil mit.
Erstens: Der Rekordgewinn der Liga ist eine Einzelmeldung. Ohne Leverkusens Transfersommer hat sich der Gewinn der Bundesliga mehr als halbiert. Summen täuschen, Verteilungen nicht.
Zweitens: Transfer- und Europapokalerlöse bleiben der Taktgeber und zugleich der größte Risikofaktor. Freiburgs Rückgang, Dortmunds eingebrochener Gewinn und Frankfurts roter Abschluss sind drei Varianten derselben Geschichte. Wer seine Kosten an einer guten Saison ausrichtet, zahlt im Jahr danach.
Drittens: Eine gute Zahl ist erst ein Geschäftsmodell, wenn sie sich wiederholt. Freiburg und Frankfurt kehren nach einem Ausnahmejahr zur Mitte zurück. Stuttgart und Augsburg zeigen dagegen, wie ein Club mit Konsequenz über mehrere Jahre vorankommt.
Wie teuer die Transferspirale der Liga geworden ist und wie robust die Bilanzen dahinter sind, zeigt Teil 2.
Alle Finanzdaten sind Vereinsdaten der Saison 2024/25 sowie der Vorsaison, aus den DFL-Lizenzierungsunterlagen und, wo vorhanden, aus den veröffentlichten Jahresabschlüssen. Leverkusen, Stuttgart und Mönchengladbach bilanzieren zum 31.12. (hier: Kalenderjahr 2025). Heidenheim 2024/25 ist ein verkürztes Geschäftsjahr (01.01.–30.06.2025) und wird nicht mit dem Vorjahr verglichen. Die Vorjahreswerte von St. Pauli und Kiel stammen aus der 2. Bundesliga. Die Clubauswahl folgt der Ligazugehörigkeit in der Saison 2024/25.