Finanzcheck Bundesliga 2024/25, Teil 2: Operatives Ergebnis, Bilanz und was ein Punkt kostet

· Moneyball Redaktion

Im ersten Teil ging es um Gewinn, Erlöse und Personalkosten der 18 Bundesligisten 2024/25. Die Liga hat so viel verdient wie nie, fast ausschließlich dank Leverkusens Transfersommer, und in der Breite laufen die Gehälter den Erlösen davon. Im zweiten Teil schauen wir eine Ebene tiefer: Was bleibt operativ übrig, wenn man die Abschreibungen auf Spielerwerte ernst nimmt? Wie robust sind die Bilanzen? Und wer holt aus seinem Geld auf dem Platz am meisten heraus?

Die Spielregeln sind dieselben wie in Teil 1. Wir nummerieren nach der Saison, in der das Geld verdient wurde. Leverkusen, Stuttgart und Mönchengladbach bilanzieren zum 31.12., ihr Abschluss „2024/25“ ist bei uns das Kalenderjahr 2025. Heidenheim hat ein verkürztes Geschäftsjahr über nur sechs Monate und fehlt deshalb in den Vorjahresvergleichen. Beim VfL Bochum stammt die Vorsaison aus dem Konzern-, 2024/25 aus dem Einzelabschluss.

EBITDA: Der operative Cashflow

Das Jahresergebnis mischt vieles zusammen: Zinsen, Steuern, Beteiligungen, Sondereffekte. Um das eigentliche Geschäft zu sehen, trennen wir zwei Fragen. Wie viel Geld spielt das laufende Geschäft ein? Die Kennzahl schlechthin dafür ist das EBITDA. Wir nutzen es als Näherung für den operativen Cashflow, nicht als Ergebnis. Wer beim EBITDA stehen bleibt, rechnet den halben Kader heraus. Eine Einschränkung haben wir aber in unserer Datenlage. Uns fehlt der Investitions Cashflow, also die getätigten Transfers. Wir können das EBITDA in der Fußballwelt also eher als Indikator betrachten, inwiefern sich ein Club aus seinem operativen Geschäft heraus aktiv Spieler leisten kann, die nicht ablösefrei sind.

EBITDA-Marge: Was bleibt operativ übrig?

EBITDA (Rohergebnis − Personalaufwand − sonstige betriebliche Aufwendungen) in Prozent des Rohergebnisses.

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Beim EBITDA sieht die Liga gesünder aus als beim Jahresergebnis. Durch den beschriebenen Effekt der Abschreibungen ist das natürlich kein Wunder. Das EBITDA der 18 Clubs steigt um gut ein Viertel von 800 Mio. € auf rd. 1 Mrd. €, die mittlere EBITDA-Marge von 16 auf 19 %. Leverkusen führt mit 38 %, dahinter folgen Augsburg und Leipzig mit je 28 % sowie Union mit 27 %. Am unteren Ende stehen Werder (3 %) und Hoffenheim (8 %). Beim Heidenheimer Wert (8 %) gilt wieder der Hinweis auf das verkürzte Geschäftsjahr.

EBIT: Was nach Abschreibungen übrig bleibt

Erst eine Zeile tiefer zeigt sich, was die Liga operativ tatsächlich verdient. Die Abschreibungen der 18 Clubs steigen von 649 auf 793 Mio. €, ein Plus von 22 %. Das ist der Preis dafür, dass die Liga ihre Transfererlöse sofort wieder in Spieler steckt. Jeder gekaufte Spieler wird über seine Vertragslaufzeit abgeschrieben. Und ja, den Satz schreibe ich vermutlich schon zum 10. Mal in diesen Post, aber es ist wichtig dass man sich diesen Sachverhalt vergegenwärtigt. Bei Bayern wächst das EBITDA um 55 Mio. €, die Abschreibungen aber um 54 Mio. €. Das EBIT bleibt zum Vorjahr somit praktisch gleich. Bei Union, Stuttgart, Frankfurt und Hoffenheim steigen die Abschreibungen jeweils um 12 bis 19 Mio. €. In Stuttgart werden Deniz Undav (rd. 27 Mio. € Ablöse) und Ermedin Demirović (rd. 20 Mio. €) erstmals ein volles Jahr abgeschrieben, in Frankfurt kommen Rekordzugang Elye Wahi (rd. 25 Mio. €) und die Kaufoption für Hugo Ekitiké (16,5 Mio. €) dazu.

EBIT-Marge: Was bleibt operativ übrig?

EBIT (EBITDA − Abschreibungen) in Prozent des Rohergebnisses.

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Nach Abschreibungen bleibt vom Rohergebnis kaum etwas übrig. Die mittlere EBIT-Marge sinkt sogar von 2,5 auf 2,1 %. Sechs Clubs schreiben ein negatives EBIT: Hoffenheim (−30 Mio. €), Wolfsburg (−14 Mio. €), Werder (−5 Mio. €), Frankfurt (−3 Mio. €), Dortmund (−1 Mio. €) und Gladbach (−1 Mio. €). Und ohne Leverkusen fällt das EBIT der Liga von 146 auf 86 Mio. €, ein Minus von rd. 40 %. Das ist dieselbe Geschichte wie beim Jahresergebnis, nur ohne Zinsen und Steuern.

EBIT-Marge: Wer verdient operativ mehr?

Veränderung der EBIT-Marge in Prozentpunkten.Veränderung → .

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Die größten Sprünge nach oben machen Kiel (+28 Prozentpunkte), Augsburg (+27), Leverkusen (+22) und Bochum (+17). Nach unten geht es für Freiburg (−21), Frankfurt (−11), Werder (−7) und Dortmund (−5). Das ist dasselbe Muster wie bei der Personalquote und beim Ergebnis. Es zeigt aber auch: Die Verschiebungen dieser Saison sind operativ, nicht das Ergebnis von Finanzierungs- oder Steuereffekten.

Zwei Clubs muss man beim EBIT genauer lesen. Dortmunds negatives EBIT gilt nur für die ausgegliederte Profimannschaft, der KGaA selbst. Ein Teil des Geschäfts läuft über Tochtergesellschaften, deren Gewinne per Ergebnisabführungsvertrag erst unterhalb des EBIT ankommen: 2024/25 rd. 14 Mio. €, im Vorjahr 18 Mio. €. Erst damit wird aus dem operativen Minus ein Jahresüberschuss von 8 Mio. €. Bei Wolfsburg läuft es andersherum: Das operative Minus von 14 Mio. € ist größer als der Jahresfehlbetrag von 13 Mio. €, weil statt eines Steueraufwands ein Steuerertrag von rd. 5 Mio. € in der GuV steht.

Hoffenheim verdient eine eigene Zeile. Das EBITDA ist mit 14 Mio. € knapp positiv, die Abschreibungen von 44 Mio. € machen daraus ein EBIT von −30 Mio. €, eine Marge von −18 %. Kein anderer Club schreibt operativ so tief rot. Nach Steuern stehen −27 Mio. €, im Vorjahr −23 Mio. €. Getragen wird dieser Verlust von einem atypisch stillen Gesellschafter, also Dietmar Hopp. Fußballvereine sind gut vergleichbar mit Startups: Solange ein Glaube da ist, gibt es immer einen Weg. Man sollte nur wissen, wessen Glaube das ist.

Eigenkapital: Wer kann sich schlechte Jahre leisten?

Das Eigenkapital ist der Stoßdämpfer. Wer viel davon hat, übersteht eine schwache Saison theoretisch ohne Existenzfragen. Wir lassen hier die Liquidität bewusst einmal außer Acht, sondern schauen bewusst auf die Geschäftsentwicklung und damit eine implizite Liquidität. Wer wenig Eigenkapital hat, ist darauf angewiesen, dass alles weiter funktioniert, oder ein externer Geldgeber bereit ist, unter die Arme zu greifen.

Eigenkapital: Wer steht solide da?

Clubs unter 10 Mio. € Eigenkapital (rot) stehen finanziell auf dünnem Eis.

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Bayern steht mit 586 Mio. € Eigenkapital allein an der Spitze, Dortmund folgt mit 357 Mio. €. Am anderen Ende: Heidenheim mit 2 Mio. €, St. Pauli mit 5,5 Mio. € und Union mit 8 Mio. €. Für diese Clubs ist der Verbleib in der Liga nicht nur sportlich wichtig. Ein Abstieg würde die Erlöse um 40 bis 60 % abschmelzen lassen, bei einer Kostenstruktur, die sich nicht immer im gleichen Tempo anpassen lässt. Der Jahresfehlbetrag beim Abstiegsfall ist damit quasi vorprogrammiert.

Eigenkapital: Wer baut Puffer auf?

Veränderung des Eigenkapitals in Euro.Veränderung → .

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Die gute Nachricht zuerst: In der Breite ist die Liga robuster geworden. Das Eigenkapital der 18 Clubs wächst um gut 150 Mio. € auf 2,1 Mrd. €, bei zwölf Clubs steht ein Plus. Leverkusen, Leipzig und Wolfsburg bleiben exakt auf Vorjahresniveau. Bei allen dreien landet das Ergebnis bei der Muttergesellschaft, nicht im Club.

Die weniger gute Nachricht: Ein Teil der Zuwächse stammt nicht aus eigener Kraft. Hoffenheim legt 49 Mio. € zu, obwohl das Ergebnis nach Steuern bei −27 Mio. € liegt. Frankfurt gewinnt 17 Mio. € Eigenkapital trotz eines Verlusts von 8 Mio. €. In beiden Fällen floss Kapital von außen zu. Überwiegend aus eigener Ertragskraft gestärkt haben sich Stuttgart (+32 Mio. €), Augsburg (+18 Mio. €), Bayern (+15 Mio. €) sowie Kiel und Bochum (dazu unten mehr).

Nur zwei Clubs verlieren nennenswert. Gladbach verliert 4 Mio. €. Werder Bremen verliert ein Drittel seines Eigenkapitals: von 22,3 auf 14,9 Mio. €. Bei einem Verlust von 7 Mio. € und gleichzeitig kräftigen Investitionen in den Kader ist Werder der Club, der 2024/25 am sichtbarsten Substanz verbraucht hat.

Eigenkapitalquote: Gleiche Zahl, völlig andere Geschichte

Absolutes Eigenkapital ist eine Sache. Wie viel davon im Verhältnis zur gesamten Bilanzsumme steht, ist eine andere, und wie so oft bei relativen Kennzahlen die aufschlussreichere.

Eigenkapitalquote: Bilanzielle Stabilität der Bundesliga

Eigenkapital in Prozent der Bilanzsumme — unter 10 % (rot) bedeutet extreme Abhängigkeit von Fremdkapital.

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Ein Verein mit 50 Mio. € Eigenkapital und 55 Mio. € Bilanzsumme steht fundamental anders da als einer mit 50 Mio. € Eigenkapital und 500 Mio. € Bilanzsumme. Im ersten Fall gehört dem Verein fast alles. Im zweiten ist das Eigenkapital ein dünner Puffer über einem Berg aus Fremdkapital.

Freiburg baut die Spitzenposition sogar noch aus: 83 % der Bilanz sind eigene Mittel, praktisch keine Schulden. Dahinter folgen Hoffenheim (72 %), Bayern (61 %) und Dortmund (60 %). Hoffenheim und Freiburg landen beide weit oben, aber aus komplett verschiedenen Gründen. Hoffenheim hat einen Geldgeber, der über Jahrzehnte Kapital eingebracht hat. Freiburg hat ohne das schlicht weniger ausgegeben als eingenommen. Beide Modelle funktionieren. Nur eines davon ist ohne Dietmar Hopp replizierbar.

Eigenkapitalquote: Wer steht solider da?

Veränderung der Eigenkapitalquote in Prozentpunkten.Veränderung → .

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Der Median steigt von 25 auf 29 %. Die größten Sprünge machen Kiel (+22 Prozentpunkte) und Bochum (+19), dazu Augsburg (+13). Bayern legt 6 Punkte zu, weil gleichzeitig die Bilanzsumme um fast 80 Mio. € schrumpft und die Verbindlichkeiten sinken. Am anderen Ende steht Leverkusen mit −24 Punkten, siehe Teil 1. Werder verliert 6 Punkte und landet bei 16 %.

Verschuldungsgrad: Union entschärft, Heidenheim bleibt am Limit

Fremdkapital geteilt durch Eigenkapital. Ein Wert von 2 bedeutet: doppelt so viele Schulden wie Eigenkapital. Alles unter 3 gilt als gesund, alles über 10 fängt an, ungemütlich zu werden.

Verschuldungsgrad: Wie stark hängen die Clubs am Fremdkapital?

Faktor > 3 (orange) bedeutet hohe Fremdfinanzierung, > 10 (rot) ist kritisch.

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Heidenheim und Union waren 2023/24 die Clubs mit den höchsten Werten. Nicht weil sie schlecht gewirtschaftet haben, sondern weil sie schnell gewachsen sind. Der sportliche Aufstieg lässt sich nicht mit dem gleichen Tempo bilanziell untermauern. Ein Jahr später haben sich die Wege getrennt.

Verschuldungsgrad: Wer hat entschuldet?

Veränderung des Verschuldungsgrads. Grün heißt: weniger Fremdkapital je Euro Eigenkapital.Veränderung → .

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Union drückt den Verschuldungsgrad von 46,7 auf 15,7 und stockt das Eigenkapital von 2,9 auf 8,1 Mio. € auf. Das ist immer noch dünn, aber klar die richtige Richtung. Auch St. Pauli (17,8 → 11,4), Bochum (9,0 → 2,5) und Kiel (5,9 → 1,8) entschulden sich deutlich. Heidenheim dagegen steht mit 22,8 jetzt allein an der Spitze, bei einer Eigenkapitalquote von gut 4 %. Das ist der dünnste Puffer der Liga. Sollte sportlich etwas schiefgehen, hat dieser Club am wenigsten Spielraum.

In die andere Richtung bewegen sich Werder (3,6 → 5,3) und Leverkusen (0,8 → 2,2). Am soliden Ende ändert sich wenig: Freiburg (0,2), Hoffenheim (0,4) und Bayern (0,6) haben kaum Fremdkapital.

Was kostet ein Punkt?

Zum Schluss die Frage, um die es bei Moneyball eigentlich geht. Wer holt aus seinem Geld am meisten heraus? Teilt man den Personalaufwand durch die Punkte der Saison, bekommt man einen groben, aber ziemlich ehrlichen Preis pro Punkt.

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Dass Bayern für die Meisterschaft am meisten pro Punkt bezahlt, überrascht niemanden. Man könnte sogar suggerieren, sie bezahlen zu viel. Für die Bundesliga stimmt das sicherlich. Es gibt aber natürlich noch die Champions League, in der sie als einziger deutscher Club wirklich auf Augenhöhe konkurrenzfähig sind. Spannender ist die Mitte der Tabelle. Mainz 05 wird Sechster mit einem Personalaufwand von 73 Mio. €, Freiburg Fünfter mit 83 Mio. €. Beide zahlen rd. 1,4 bis 1,5 Mio. € je Punkt und liegen damit vor Leipzig, das mit dem fast dreifachen Personalaufwand auf Platz sieben landet. Am anderen Ende steht Hoffenheim: 95 Mio. € Personalaufwand, Platz 15, 3 Mio. € je Punkt. Das ist der gleiche Preis pro Punkt wie in Frankfurt, nur mit Platz 15 statt Platz 3.

Natürlich ist das eine grobe Rechnung. Ein Punkt gegen den Abstieg ist mehr wert als ein Punkt im Niemandsland der Tabelle, und Abschreibungen auf Ablösen fehlen hier ganz. Aber genau diese Frage will ich mit diesem Blog stellen: Wer bekommt für sein Geld mehr Leistung als die anderen? 2024/25 heißt die Antwort Mainz, Freiburg, Augsburg und Werder.

Marktwert vs. Rohergebnis: Passt der Kader zur Wirtschaftskraft?

Wer über seinen Verhältnissen lebt, sieht man zwar stellenweise sehr gut über die oben aufgeführten KPIs, mindestens indikativ. Aber ob die Wette in die Investition gut oder schlecht war, sieht man bekanntlich erst im Rückspiegel. Der Scatter-Plot zeigt, welche Clubs einen Kader besitzen, der im Verhältnis zum Rohergebnis teuer ist, und wer es umgekehrt schafft, mehr zu verdienen als der Kader auf dem Papier wert ist.

Marktwert vs. Rohergebnis: Wer ist über-, wer unterbewertet?

Kadermarktwert gegen Rohergebnis. Über der Linie liegt der Marktwert höher als das Rohergebnis, darunter umgekehrt.

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Die interessanteste Bewegung gibt es bei Frankfurt. Zum 30.06.2024 lag das Rohergebnis mit 378 Mio. € noch deutlich über dem Kaderwert von 327 Mio. €, als Folge der vielen realisierten Verkäufe. Zum 30.06.2025 liegt der Marktwert mit 431 Mio. € wieder klar über dem Rohergebnis von 376 Mio. €. Frankfurt hat die Transfererlöse in einen neuen, wertvolleren Kader umgeschichtet: verkaufen, reinvestieren, eine Drehung weiter. Ähnlich Wolfsburg: Der Kaderwert steigt von 206 auf 296 Mio. €, das Rohergebnis nur von 231 auf 239 Mio. €.

Bei Stuttgart hat sich die Lücke geschlossen. Ein Jahr zuvor lag der Marktwert (347 Mio. €) weit über dem Rohergebnis (277 Mio. €), jetzt liegen beide bei rd. 360 Mio. €. Die Wirtschaftskraft hat den Kader eingeholt. Genau so geht eine positive Entwicklung.

Am anderen Ende liegen die Aufsteiger. Kiel erwirtschaftet mit 66 Mio. € deutlich mehr, als der Kader wert ist (47 Mio. €). Das ist die typische Aufsteiger-Konstellation: Bundesliga-Erlöse mit einem Zweitliga-Kader. Zumindest für eine Saison. ;-)

Auf- und Absteiger: Wer geht, geht reicher

St. Pauli und Kiel sind 2024 aufgestiegen. Kiel ist nach einer Saison direkt wieder abgestiegen, zusammen mit Bochum. Die Zahlen dieser drei Clubs erzählen eine Geschichte, die man so nicht erwarten würde.

Kiel hat die eine Bundesligasaison wirtschaftlich perfekt genutzt: Aus einem Verlust von 4 Mio. € wird ein Gewinn von 8 Mio. €, das Eigenkapital vervierfacht sich auf 11 Mio. €. Bochum zeigt dasselbe Muster, Ergebnis von −5 auf +6 Mio. €. Beide steigen sportlich ab und verlassen die Liga finanziell stabiler, als sie in die Saison gegangen sind. Ob sie diesen Puffer halten, entscheidet sich an der Kostenseite in der 2. Liga.

St. Pauli hat den Klassenerhalt geschafft und das zusätzliche Geld zum großen Teil in den Kader gesteckt: Das Rohergebnis wächst um 31 %, der Personalaufwand sogar um 34 %. Es bleibt ein kleiner Gewinn von 2 Mio. €, bei 8 % Eigenkapitalquote weiter einer der dünnsten Puffer der Liga.

Fazit

Zwei Teile, ein Jahresvergleich und eine Botschaft: Finanzielle Solidität und sportlicher Erfolg laufen im Fußball nicht parallel. Manchmal schließen sie sich sogar kurzzeitig aus. Dazu kommen 2024/25 fünf Dinge.

Die ersten drei stammen aus Teil 1: Der Rekordgewinn der Liga ist eine Einzelmeldung. Transfer- und Europapokalerlöse bleiben der Taktgeber und zugleich der größte Risikofaktor. Und eine gute Zahl ist erst ein Geschäftsmodell, wenn sie sich wiederholt.

Viertens: Die Transferspirale hat einen Preis, und er steht in den Abschreibungen. Unser Indikator für den operative Cashflow der Liga, das EBITDA, wächst um gut ein Viertel, das EBIT ohne Leverkusen sinkt um rd. 40 %. Wer nur auf die Personalquote schaut, übersieht, dass Leipzig, Union und Hoffenheim ihren Kader zu großen Teilen über Ablösen bezahlen.

Fünftens: Nicht jedes Eigenkapital ist gleich viel wert. Hoffenheim und Frankfurt haben ihre Polster mit Geld von außen gestärkt, Werder hat seins angegriffen. Bei den Clubs, die gleichzeitig Verluste schreiben und nur mit fremder Hilfe Eigenkapital aufbauen, sollte man genauer hinschauen.

Die Tabelle entscheidet am Saisonende. Die Bilanz entscheidet, wie viele schlechte Saisons ein Verein überlebt, bevor es eng wird.

Alle Finanzdaten sind Vereinsdaten der Saison 2024/25 sowie der Vorsaison, aus den DFL-Lizenzierungsunterlagen und, wo vorhanden, aus den veröffentlichten Jahresabschlüssen. Leverkusen, Stuttgart und Mönchengladbach bilanzieren zum 31.12. (hier: Kalenderjahr 2025). Heidenheim 2024/25 ist ein verkürztes Geschäftsjahr (01.01.–30.06.2025) und wird nicht mit dem Vorjahr verglichen. Die Vorjahreswerte von St. Pauli und Kiel stammen aus der 2. Bundesliga. Marktwerte sind Schätzwerte aus öffentlich zugänglichen Quellen (Summe des Saisonkaders zum 30.06.2025). Die Clubauswahl folgt der Ligazugehörigkeit in der Saison 2024/25.